Verladebrücke    (Bulletin 45/2000)
von Jürg Kuhn, AMS
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Eine Verladebrücke dient in erster Linie dazu, Schüttgut aus dem Laderaum eines Schiffes z.B. in einen offenen Güterwagen umzuladen. Sie muss fahrbar sein, damit sie sich längs des Piers bewegen kann. Beispiel: Modell N r. 806 im Märklin-Anleitungsbuch 1933.

Im Gegensatz zu der sehr einfachen Bauart dieses Vorbildes (mit Handantrieb) sollten in meinem Modell folgende Ziele erreicht werden:

Alle Betriebsfunktionen mit motorischem Antrieb.

Alle Funktionen lassen sich von einer zentralen Bedienungsbühne aus mechanisch steuern

Der wesentliche Unterschied meines Modelles besteht also i n der mechanischen "Fernsteuerung" aller Funktionen von der Bedienungsbühne aus. Das Modell wird von einem ca. 70-jährigen Märklin-Elektromotor angetrieben, ist aber im Übrigen aus Meccanoteilen gebaut.

Steuerelement

Auf der Bedienungsseite sind fünf Bedienungshebel I- V hinter einer Bühne angeordnet:

Hebel I steuert den Motor

Hebel II steuert das Heben und Senken der Greifschaufel

Hebel III steuert das Verschieben des Schlittens

Hebel IV steuert das Fahren der Brücke auf den Bodenschienen

Hebel V steuert das Schliessen und Öffnen der Greifschaufel

Der Motor (1), gesteuert über ein Gestänge, treibt über die Kette (4) die Hauptwelle (5) im Sockel der Getriebeseite an. Durch Anziehen der Hebel II, III, IV werden die einzelnen Funktionsgetriebe über drei lange Verbindungswellen (6), (7), (8) mit der Hauptwelle (5) gekuppelt.

Fahren der Brücke auf den Bodenschienen
Durch Ziehen des Hebels II wird das Kegelrad (9) mit dem Kegelrad (9a) auf der Hauptwelle (5) und gleichzeitig die Schnecke (10) mit dem Ritzel (11) in Eingriff gebracht. Über eine nochmalige Untersetzung (12)-(13) wird die Welle (14) angetrieben. Zum Verschieben der schweren Brücke ist es unabdingbar, dass je ein Laufrad auf beiden Seiten angetrieben wird. Dazu dient einerseits die Gelenk-welle (15) und andererseits der Kettenantrieb (16), die beide von der Welle (14) angetrieben werden. Die Fahrrichtung wird von der Laufrichtung des Motors (Hebel I) bestimmt.

Verschieben des Schlittens auf der Hochschiene
Durch Ziehen des Hebels III wird über die Welle (7) das Kronenrad (17) mit dem Ritzel (18) in Eingriff gebracht. Dadurch wird die Kette (19) und über die Untersetzung (20)-(21) das Schnurlaufrad (22) oben im Turm angetrieben, um welches das Fahrseil (23) geschlungen ist. Dieses läuft über das Rad (24) und die Rollen (25) und (26) und ist beiderseits am Schlitten (27) befestigt. Das mitdrehende grosse Rad (24) dient nur ästhetischen Zwecken.

Heben und Senken der Greifschaufel
Wenn man den Hebel II zieht, wird über die Welle (6) das Kronenrad (28) an das Ritzel (29) angeschlossen. Ein Kettenrad auf der Welle (6) treibt über die Kette (30) die Welle mit dem Kegelrad (31a) an. Dieses kämmt mit dem Kegelrad (32) und treibt so die Seiltrommel (33) an. Die Untersetzung (31a)(32) erübrigt eine Sperre für die Tragseile, wenn der Antrieb von der Hauptwelle (5) abgekuppelt ist. Die Tragseile (34) und das Schliessseil (35) laufen von der Trommel über die Rollen (36), (37), (38) und (39) zum Schlitten und in üblicher Weise zur Schaufel, wieder zum Schlitten und sind am Ende (40) der Hochschiene festgemacht. Durch Aufwickeln auf die Schrauben (41) kann ihre Länge einzeln justiert werden.

Schliessen und Öffnen der Greifschaufel
Die Konstruktion der Greifschaufel und das Prinzip ihrer Funktion wurden vom früher im Bulletin 40/98 Seiten 8 ff beschriebenen Kohlenlader übernommen. Die Aufgabe, dass die Tragseile (34) beim Schliessen der Schaufel abgesenkt werden müssen, damit diese Schüttgut aufnehmen kann, wurde hier einfacher gelöst: Das Schliessseil (35) (Mitte der Trommel (33)) läuft über den Hebel (42), während die Tragseile (34) über die Hebel (43) laufen. Für das Schliessen wird die Strecke des Schliessseils (35) bis zur Schaufel durch Herausschwenken des Hebels (42) verkürzt (Heben der Mittelachse (44) der Schaufel), während die Strecke der Tragseile (34) bis zur Schaufel durch Einschwenken der Hebel (43) verlängert wird (Absenken der Aussenachsen (45) der Schaufel). Die Hebel (42) und (43) sitzen auf derselben Welle (46), welche durch die Kurbel (47) gedreht wird. Diese Drehung erfolgt über Kurbelarm (48), Kurbeln (49) und (50) und Schiebestange (51), wenn der Hebel V gezogen wird. Das Schwenken der Welle hat also auf die Tragseile bzw. das Schliessseil gleichzeitig die gegenteilige Wirkung. Zum Öffnen der Schaufel verläuft alles umgekehrt (Stossen am Hebel V). Die Seiltrommel wird hierbei nicht gedreht.

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Modell 806 Märklin Anleitungsbuch 1933