Walschaerts-Steuerung mit „Construction(Bulletin 59/2008)

Von Christoph Schörner
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Eine kleine Portion Dreistigkeit ist wohl vonnöten oder zumindest hilfreich, wenn man ein Thema, welches bereits – inklusive der zugehörigen Theorie – sorgfältig und gründlich bearbeitet wurde (vgl. AMS-Bulletin 58/07, Seiten 42 - 45), noch einmal aufgreifen will! Aber ich denke mir: Das Thema „Walschaerts-Steuerung“ ist doch zu interessant, als dass man es alleine unseren Wissenschaftlern überlassen dürfte ... Fest stand für mich von vorneherein, dass ich Peter Hartmanns Modell nicht kopieren wollte; stattdessen habe ich versucht, in Anlehnung an sein Modell und seine Dokumentation eine Variante aus dem Material des Construction- bzw. eitech-Baukastens zusammenzuschrauben. Da viele von uns (zumindest auch) mit diesem inzwischen sehr verbreiteten System bauen, erscheint es mir gerechtfertigt, meinen Versuch hier vorzustellen. Das eitech-System bot sich nicht zuletzt deshalb an, weil die hier zur Verfügung stehenden diversen Langlochteile geeignet sind, einige spezifische Probleme zu lösen. Insbesondere ermöglichen sie an zwei Stellen eine Alternative, wo das Meccano-Modell die bei eitech nicht vorhandenen Gleitstücke aufweist.

Auf einige Details sei im Folgenden etwas näher eingegangen:

Die Schwinge erschien mir – genau wie einst beim großen Vorbild! – als das am schwierigsten zu realisierende Teil und bildete daher den Ausgangspunkt aller weiteren Überlegungen. Sie besteht aus zwei in einem Abstand von ca. 5 mm miteinander verschraubten Bogenbändern 1041, deren eines (das innere) auf dem zugehörigen Drehlager sitzt, während das andere (äußere) die dreh- und verschiebbare Verbindung zur Schieberschubstange herstellt.

Als Schieberschubstange dient ein Flachband 1008, in dessen einem Langloch sich der Aufwerfhebel in Längsrichtung dieser Stange frei bewegen kann. Die beiden folgenden Bilder zeigen die Steuerung zunächst in Stellung „vorwärts“ und dann in Stellung „rückwärts“. Die Länge der Schwingenstange war dann festgelegt durch die Position der Gegenkurbel sowie durch die Forderung, dass die Schwinge symmetrisch bezüglich ihrer vertikalen Stellung schwingen soll. Da diese Länge im 10-mm-Raster nicht vorkommt, habe ich hier ein 20-Loch-Flachband 1010 um ein Langloch-Flachband 1008 erweitert, so dass eine „stufenlose“ Längeneinstellung des gesamten Teils möglich war. Dass die Schwingenstange hier ungewöhnlich lang ist, ergibt sich aus dem kleinen Radius (6 Loch, d. h. 5 cm) der für die Schwinge verwendeten Bogenbänder (siehe oben). Dieser kleine Radius bewirkt, dass die Schwinge sehr nahe an den Voreilhebel bzw. die Schieberstange heranrückt und dementsprechend weit von der Gegenkurbel entfernt ist.

Der Kreuzkopf besteht aus einer 3×3-Loch-Quadratplatte 1102 sowie zwei Bügeln 1202, welche sich auf zwei parallel verlaufenden Achsen mit Gewindeenden 1362 bewegen. Einer der beiden Bügel ist mit der Quadratplatte drehbar verbunden, so dass in allen Positionen eine klemmfreie Bewegung gewährleistet ist.

Die Steuerspindel funktioniert wie folgt: Eine Gewindestange setzt durch Drehung am Steuerungshandrad eine Mutter in Bewegung, welche in einem Verbindungsteil zwischen Gewindestange und Aufwerfhebel so eingeklemmt ist, dass dieses Verbindungsteil den Aufwerfhebel in die erforderliche Drehbewegung versetzt. Um das Gestänge vervollständigen, d. h. um eine Kuppelstange ergänzen zu können, habe ich noch eine zweite Achse eingebaut. Die Räder sind aus 9,5-cm-Radkränzen von Stabil gebildet. Um dem eitech-System treu zu bleiben, wäre ein aufwändiges Biegen von Teilen oder aber der Einsatz einer in meiner Materialkiste nicht vorhandenen Anzahl von Bogenbändern erforderlich gewesen. Abschließend sei noch auf die naheliegende Frage eingegangen, wie man sich eine „Ergänzung“ dieses Modells zu einer kompletten Dampflokomotive vorstellen könnte.

Zweifellos würde das Modell vorne und hinten noch jeweils eine weitere Kuppelachse vertragen; auch wäre jeweils eine Laufachse vorne und hinten vorstellbar. Wir hätten es demnach mit einer 1‘D1‘-Maschine zu tun, könnten also beispielsweise die bekannte deutsche Baureihe 41 in Betracht ziehen, eine als Güterzuglokomotive eingestufte, jedoch auch im Reiseverkehr bewährte Maschine. Obwohl diese Loks einen Treibraddurchmesser von nur 1600 mm besaßen, sollten wir in unserem Modell die Stabil-Räder durch größere Räder ersetzen, da diese im Verhältnis zum Gestänge auch für eine 41er zu klein wären. Wenn wir für unsere Treibräder einen Durchmesser von 120 mm veranschlagen und dieses Maß allen weiteren Berechnungen zugrunde legen, dann müssen wir feststellen, dass unsere eitech-41er bis zum Kamin ca. 34 cm hoch und über Puffer knapp einen Meter achtzig (1,80 m!) lang sein würde.

Damit ist für mich klar, dass es zumindest diese „Ergänzung“ nicht geben wird!

 

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