Golden Spanner Award

Hans Faust

1. Preisträger

Der Schweizer Meccanoman Hans Faust, Baden, Mitglied AMS, erhielt an der Generalversammlung der International Society of Meccanomen am 1. September 2001 die erste internationale Auszeichnung der International Society of Meccanomen (ISM)

Foto Hans Faust   Adrian Williams (Chairman ISM), Preisträger Hans Faust, André Welti (Donator)

Das "Christ Church Centre" in Henley-on-Thames war am Samstag, 1. Sept. 2001, Schauplatz eines für die Meccano-Welt bedeutenden Ereignisses. Anlässlich des jährlichen "Henley Gathering" überreichte die International Society of Meccanomen (ISM) erstmals den "Golden Spanner Award". Träger dieser Auszeichnung, die für herausragende Beiträge und Aktivitäten zur Förderung von Meccano als Hobby verliehen wird, ist unser Kollege Hans Faust. Lassen wir ihn nun selbst zu Worte kommen:

Am 18.4.1913 wurde ich in Basel als Sohn eines Eisenbahners geboren und besuchte dort von 1919 - 1929 die Schulen. 1923 lag mein erster Meccano-Baukasten bei meinem Gross-vater unter dem Weihnachtsbaum. Meine Begeisterung war derart gross, dass ich bei späteren Gelegenheiten mit den Kästen 1a, 2a, 3a usw. beschenkt wurde. Doch daneben gesellte sich auch ein anderes Hobby dazu: das Radio! In Basel hatten wir damals einen Lokalsender und so baute ich mir einen einfachen Detektor- und später einen Vierröhrenempfänger, mit dem ich den ersten Preis an einem Bauwettbewerb des Radio-Clubs Basel gewann.

Nach der Schulzeit wollte ich bei einem Radiohändler in Basel eine Lehre antreten. Doch mein Papa entschied anders: "Bei Brown Boveri bauen sie elektrische Lokomotiven; das ist etwas nützliches! Radio, was soll das?". So absolvierte ich von 1929 bis 1933 eine Lehre als Elektromechaniker bei der Firma BBC in Münchenstein. Doch meine Begeisterung für das Funkwesen liess mich nicht mehr los: Nach der Rekruten- und Unteroffiziersschule als Funker bestand ich 1933 die Prüfung als Radiotelegraphist, was mich zum Betrieb einer Kurzwellen-Amateur-Sendestation berechtigte. Im Jahre 1934 erhielt ich die dazu notwendige Sendekonzession. Von 1933 - 1936 besuchte ich das Technikum Winterthur und erwarb das Diplom eines Fernmeldetechnikers (Heute würde man sagen: Elektroingenieur HTL; Anm. Red.)

An meiner ersten Stelle bei der Firma SIG­NUM in Wallisellen wurde ich beim Prüfen von regenerierten Senderöhren mit der Hochvakuumtechnik vertraut, was mir später viel nützen sollte. Als ich nämlich 1939 in die Hochfrequenzabteilung bei BROWN BOVERI & Co. in Baden eintrat, wurde ich beauftragt, mich mit Entwicklungsproblemen beim Bau eines Zyklotrons für die ETH (Prof. Paul Scherrer) zu beschäftigen.

Da infolge der politischen Lage die Lieferung von Marconi-Senderöhren für den Landessender Beromünster nicht mehr sicher war,  entwickelte man am Physiklabor eine sogenannte demontierbare Senderöhre mit 150 kW Anodenverlustleistung, die ständig an einer Vakuumpumpe angeschlossen war. Nach dem erfolgreichen Test einer 100 kW-Sendeanlage in Baden wurde mir 1942 die Aufgabe übertragen, die Anlage nach Beromünster zu verlegen, sie dort zu installieren und während eines Jahres zu überwachen. Auch an der Entwicklung und Inbetriebnahme von sogenannten Réduit-Sendern von 10 und 20 kW Leistung war ich massgeblich beteiligt.

Nach dem Krieg nahmen die Wünsche der meist ausländischen Kunden nach immer grösseren Sendeleistungen markant zu. So bauten wir Kurz- und Mittelwellensender mit Leistungen bis zu 500 bzw. 1000 kW. Für die Inbetriebsetzung der verschiedenen Sendestationen reiste ich in der halben Welt herum. Grosse Anlagen mit mehreren Sendern erforderten infolge der arbeitsintensiven Antennenanpassungen längere Aufenthalte. So arbeitete ich je ein Jahr lang in Indien, Südafrika und Kuba.

     

Als mein Enkel acht Jahre alt war, zeigte er Interesse für Meccano. Aber er war nicht der Einzige in der Familie, denn auch sein Grossvater wurde erneut von diesem "Virus" angesteckt! Das war auch der Grund, dass ich 1987 den AMS beitrat.

In Baden, wo ich seit 1939 wohne, gibt es bekanntlich das Schweizer Kindermuseum, eine private Stiftung. Für dieses Museum baue ich immer wieder Modelle, die dort temporär oder permanent ausgestellt werden. Dabei habe ich immer zwei Ziele vor Augen: 1) Bei den Kindern soll das Verständnis für technische Zusammenhänge geweckt werden, sie sollen direkt sehen können, wie etwas funktioniert. "Black Box"-Modelle baue ich nicht! 2) Damit die Kinder besser begreifen können, sollen sie die Modelle berühren dürfen und sie selber, etwa mit einer Kurbel, in Gang setzen. So läuft z.B. die elektrisch betriebene Seilbahn erst dann, wenn man die dazu nötige elektrische Energie mit einem Handgenerator selber erzeugt!

Zeichenmaschiene Hans Faust Übrigens habe ich schon seit jeher eine Schwäche für elektrische Maschinen, die ich mit Teilen aus verschiedenen Metallbaukästen baue: Influenzmaschine, Gleichstrommotor (siehe Bulletin 36/96, Seite 45; Anm. Red.), Meccanograph mit Schrittmotoren (Hans Faust war das erste AMS-Mitglied, das Schrittmotoren in Meccanomodelle einbaute (Anm. Red.).

Aber neben der Technik darf anderes nicht zu kurz kommen. Seit meiner Jugend bin ich ein Freund des Theaters. Zum Glück haben wir in Baden ein Kurtheater, welches das ganze Spektrum von der klassischen Oper bis zu modernen Stücken im Programm anbietet und bei dem ich seit Jahren ein Abonnement löse.

Hans Faust war eigens nach England gereist, um die Auszeichnung in Form eines goldenen Miniatur-Schraubenschlüssels sowie eines Diploms persönlich entgegenzunehmen. Ausnahmsweise durfte er die Trophäe leihweise in die Schweiz zurückbringen, um diese an der Generalversammlung der AMS in Baden präsentieren zu können.

Begleitet wurde Hans Faust von Paul Lienhard, Präsident der AMS, dem nominierenden Club. Beide waren hernach Ehrengäste beim Essen des Vorstandes der ISM.

Das Meccano-Treffen "Henley Gathering" findet seit vielen Jahren statt und ist fester Bestandteil des sommerlichen Veranstaltungskalenders von Henley-on-Thames.

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