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Die Meccano Story

(Bulletin 4/1085)
von Albert Grimm, AMS

 

Fast jedermann kennt ihn noch: den Metallbaukasten „Meccano“, der mit Schrauben, Winkeln, Welle, Muffen, Bändern, Platten, Zahnrädern, Laufrädern usw. statische oder dynamische Modelle nach Vorlagen oder eigenen Ideen bauen lässt.

Leider ist „Meccano“ der business -punch etwas verlorengegangen. Neue Spieltechniken (Stecktechnik, Computerspiele) liessen das geniale „jeu sientifique“, das mit klassischen Maschinenelementen „Mechanik im Modellbau“ realisieren lässt, ins offside geraten. Doch Mechanik bleibt ein wichtiger Zweig in der Technik; auch der neuste Computer läuft ohne Mechanik nicht.

Noch lebt „Meccano“ weltweit. Es gibt noch Quellen, z.T. Fabriken für „Meccano“ in USA, Argentinien, England, Frankreich, Spanien, Südafrika u.a. Ländern. Leider wurde aber 1979 die Mutterfabrik in England geschlossen.

Der Engländer Frank Hornby (1863 – 1936) baute gegen Ende des letzten Jahrhunderts für seine Buben Spielzeuge aus gelochten Kupferblechstreifen und anderen Teilen. Am 9. Januar 1901 liess er diese geniale Idee als Mechanics Made Easy patentieren. Der Grundstein für seine Fabrik war gelegt. War dies eine Gründung! Niemand könnte wissen, dass dies der Start für das erste und grösste, weltumspannende Spielzeugimperium werde und zugleich zu einem der wichtigsten Grundpfeiler der technischen Entwicklung in der Geschichte der Menschheit, dank dem fesselnden Engagement der Jugend in aller Welt.

Auch der Name „MECCANO“ (ab 1907) war ein Hit: international verständlich mit sinnigem Hinweis auf das Wesen des Baukastens. Während Jahrzenten war dieser Name für Millionen von Jugens der Begriff für eine lehrreiche Freizeitbeschäftigung.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Liverpool – Binns Road- entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem weltweiten Imperium: in vielen Ländern wurden Niederlassungen z.T. auch Fabriken gegründet. Die Liverpooler Fabrik wurde mehrmals vergrössert. In den 20er Jahren -zur Zeit des „nickel-plated-Meccano“ besass F. Hornby eine der weltgrössten Nickel-Galvanisierungsanlagen.

Die Hornby Unternehmungen befassten sich sodann nicht mehr nur mit Meccano-Metallbaukasten, sondern entwickelten auch Baukasten für Flugzeug-, Schiffs- und Automodelle sowie Experimentierkasten in Chemie und Elektronik. Ganz gross etablierten sie sich mit ihren Hornby Spielzeugeisenbahnen in den Spuren HO und O. Die Dinky Toy’s waren ein weiterer erfolgreicher Wurf der Meccano-Fabriken.

Der Meccano Metallbaukasten selbst entwickelte sich zu einem fein gegliederten System von Maschinenelementen, das mit der Zeit auch farbige Metall- und Kunststoffteile mit einbezog. Klug zusammengestellte Baukastenreihen mit ausgewogenem Inhalt und leichtverständlichen Anleitungen befriedigten die Ansprüche kleiner und grosser Ingenieure in Schulen, Forschungsinstituten, der Industrie und Blindenschulen.

Doch Meccano fand auch Nachahmer. Weltweit lassen sich gegen 400 Baukastensysteme direkt oder indirekt herleiten. Die Blechspielwarenfabrik Märklin z.B. übernehmen im ersten Weltkrieg auf Geheiss der deutschen Regierung die damalige in Deutschland eben etablierte Meccano-Fabrik und verkaufe fortan Märklin-Metall-Baukasten.

Im Jahre 1916 liess Frank Hornby seine Jugendzeitschrift „Meccano-Magazin“ erscheinen. Sein direkter Kontakt mit dem Publikum, insbesondere der Jugend, war ihm ein besonderes Anliegen. Dieses Monats-Magazin – natürliches Sprachrohr des „Meccano“- befasste sich mit allem was die Jugend interessierte. Es erschien denn auch in mehreren Sprachen und in erstaunlich hohen Auflagen bis vor wenigen Jahren. Die Werbung, eigentlich besser als Schrifttum zu bezeichnen, wurde von der Meccano-Unternehmung ganz besonders gepflegt. Es erscheinen Engeneeringbücher über wichtige Werke der Ingenieurkunst, so z.B. Brückenbauwerke, Kohlenverladeanlagen, Eisenbahnen, Hafenkrane, Uhren etc. die in Meccano-Konstruktionen als funktionierende Modelle ihren Spiegel fanden. Eine Grosszahl solcher (gehobener) Meccano-Konstruktionen wurden als Super-Modells Leaflets veröffentlicht. Auch heute findet sich in England über Meccano, dessen Geschichte, Substanz und System ganz neue Literatur. Dass hierfür sehr grosses Interesse vorhanden ist, verwundert eigentlich nicht, sind doch die damaligen Meccano-Buben heute zumeist „gestandene“ Ingenieure.

In vielen Ländern bildeten die Meccano-Ingenieure sehr aktive Meccano-Clubs, die mit ihren Manifestationen immer wieder breite Beachtung an Ausstellungen in der Presse und im Fernsehen, somit beim Publikum finden.

Am 8. September 1985 wurde in Zürich auch eine schweizerische „amicale“ AMIS MECCANO SUISSE (kurz AMS) gegründet. Alle diese Clubs pflegen untereinander Kontakte, vereinen die Meccano.-Freunde, sorgen für Materialquellen und sensibilisieren die Öffentlichkeit – jung und alt – mit Ausstellungen und Publikationen auf das kreative Hobby „Mechanik im Modellbau“.

Das britische Königreich war damals natürlich eine hervorragende Basis zur weltweiten Verbreitung des genialen Systems Meccano. Aber die beiden Weltkriege blockierten die Entwicklung zeitweise einschneidend, anderseits nachhaltig weil – in indirekter Folge- neue Technologien (Elektronik, Bausätze) sehr populär wurden.

Mechanik, mit ihren Maschinenelementen, lässt sich in der Technik nicht ersetzen, jedoch ergänzen (Elektronik, Hydraulik, Pneumatik). So ist denn das 84jährige „Spielzeug Meccano“ sehr modern geblieben. Es gibt viele Anzeichen, dass der Metallbaukasten für die Mechanik im Modellbau ein Comeback erfahren wird.