AMSclub Bulletin Beiträge
Jubiläumsausstellung 40 Jahre AMS
Die Schräubler sind los in Luzern
aus Bulletin 92/2025, Text und Fotos von Koni Ulrich
Dieser Beitrag erschien im Dorfblatt 8192 Nr 3 Juni 2025 der Gemeinde Glattfelden. Text und Fotos sind leicht bearbeitet. Der Redaktor.
Wenn die Modellbau-«Verrückten» ins Verkehrshaus eingeladen werden, muss da schon was dran sein. Zum 40-Jahr-Jubiläum des «Schräubler-Clubs» sind unglaublich verschiedenartige und imposante Werke zusammen-gekommen. Unter ihnen zwölf Modelle des Glattfelders Christian Ulrich.
Wie kann man bloss 1000 Stunden mit einem Metallbaukasten beschäftigt sein, um in zwei Jahren nur ein einziges Objekt zu fabrizieren? Das wäre dann die Hälfte eines halben Arbeitsjahres, und natürlich alles freiwillig, denn die meisten der Werker in Luzern sind pensionierte Tüftler. Frauen gibt es da nicht. Einer von ihnen hat einen vierstöckigen Aufzug gebaut, dessen Lift über Innen- und Aussentüren verfügt, die alle automatisch geöffnet und geschlossen werden können. Rund 1000 Stunden soll er dazu aufgewendet haben. Ganz so krass ist es bei meinem Bruder Christian nicht. Aber auch er kann schon fast eine an Sucht grenzende Leidenschaft abrufen, wenn er eine Idee hat und das schlechte Wetter punkto Aktivitäten draussen mitspielt. Christian sitzt in der grossen Konferenzhalle im zweiten Stock eines seitlichen Anbaus zum Luzerner Verkehrshauskomplex. Gerade ist er in ein Gespräch involviert. Sein Gegenüber, der Fachjournalist Georg Eiermann, ist eigens aus Stuttgart angereist, weil er sich diese einmalige Ausstellung nicht entgehen lassen will.
40 Jahre Club der Metallbauer
Der veranstaltende Verein, welcher sich dank guten Beziehungen diesen prominenten Standort angeln konnte, hat schon einen guten Grund, zu feiern. Er wird heuer 40 Jahre alt. AMS heisst Amateure für Metallmodellbau in der Schweiz und ist, wie im Namen ersichtlich, eine nationale Angelegenheit mit aktuell 60 Mitgliedern. (Mehr Details unter www.amsclub.ch) Die fünf am meisten verwendeten Metallbausysteme sind Meccano, Stokys, Märklin, Metallus und Eitech. In der Deutschschweiz hat unter anderem der in Luzern anwesende Kollbrunner Ernst Schmid im neuen Jahrtausend mitgeholfen, den bekannten Metallbaukasten Stokys am Produktionsstandort Bauma wiederzubeleben. Auch die Stokys-Freunde sind in einem Club organisiert, wo sie von jährlichen Materiallieferungen und allerlei anderen Goodies profitieren. Stokys-Chef Beat Schaufelberger hat beachtenswerte Grundideen für seinen Betrieb: Produktion nur in der Schweiz, Ausbildung von Lehrlingen, Einbezug von Behinderten-Werkstätten.
Die Geschichte dahinter
Zurück zum Glattfelder Christian, der im Herbst 80 Jahre feiern darf. Vor ihm stehen gut zehn Modelle, die er im Laufe der letzten 15 Jahre zusammengebaut hat. Etwa ein blauer Bugatti-Rennwagen, das erste motorisierte Zweirad, der Hot Rod, ein amerikanisches, übermotorisiertes Gefährt für Benzinfreunde. Zum alten Zweirad zeigt uns der Tüftler das Bild, welches ihm zur Idee dieses Modells verhalf. Es ist die teils hölzerne Version von Paul Daimler, welcher damit 1885 seine erste Fahrt von der Werkstatt bei Stuttgart zu seiner Wohnung unternommen hatte. Es sind also diese Geschichten dahinter, die Christian motivieren. «Da kann es schon mal sein, dass ich 20 Stunden bei mir zu Hause in Glattfelden im Untergeschoss dranbleibe», erklärt er dazu. Danach könne das Ganze dann aber auch wieder ruhen. Alte Autos oder Gefährte eigneten sich insofern besser als moderne, weil mit den Baukästen die kantigen Ecken besser nachgebaut werden könnten als geschwungene, stromlinienförmige Formen. Ausserdem sei es bei jenen älteren Ausgaben auch einfacher, die sichtbare Technik nachzubilden, was bei heutigen, oft verschalten Versionen gar nicht mehr möglich sei. Der frühere Oberstufenlehrer ist mit seinen Schräublerkollegen schon mehrfach in Schulhäusern unterwegs gewesen, wo sie etwa während einer Projektwoche mit den Jugendlichen zusammen über eine ganze Woche kleinere Modelle fabrizierten. Mehrmals schon hatten sie damit sogar ziemlich nobel vom Gastrecht im Atomkraftwerk Leibstadt profitieren können. Einen entsprechend ausgestatteten Arbeitsplatz für die Arbeit mit den Jungen konnte man in Luzern anschauen.
Einmalige Schau
Was nun am Wochenende in Luzern zu sehen war, darf als Höhepunkt in der Geschichte des Clubs angesehen werden. Er war zwar fünf und zehn Jahre zuvor auch schon da gewesen, aber noch mit einer kleineren Ausgabe. Diesmal gab es nun also im Weiteren diesen riesigen Kran beim Eingang, welcher mit Fernsteuerung bedient werden konnte. Eine Seilbahn führte über die ganze Hallenlänge, oder dann war da dieses schräge Gebilde, welches man ohne besseres Wissen wohl Jean Tinguely zugeordnet hätte. Ein komplexer Automat, welcher mehrere Kugeln gleichzeitig am Laufen hatte. Im Foyer hatte sich jemand mit der ganzen Luzerner Kappelbrücke befasst. Ein anderer erfand ein ausgeklügeltes Teil, welches Zuckerrüben richtig sortiert. Einzelobjekte wie Feuerwehrautos, eine Schneekatze, Bagger waren durchs Band Meisterwerke. Beim Gedanken, dass all diese schönen Sachen später wieder in den Bastelkellern der Tüftler verschwinden, kommen mir gleich die Tränen. Anderseits, in zehn Jahren zum Fünfzigsten des Vereins gäbe es wieder einen guten Grund, die Korken erneut knallen zu lassen