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Dreiseitenkipper mit STOKYS
aus Bulletin 93/2026, von Hans Rothenbühler
Ich wollte ein grösseres Modell mit STOKYS bauen, leider existieren hierfür kaum Baupläne. Für Meccano existieren zahlreiche Anleitungen, die sich auf anspruchsvollere Modelle beziehen, wie etwa die MP-Serie von MWMO (Meccano Worldwide Mail Order). Ich habe mich für den MP234 „Three-Way Tipping Lorry“ entschieden (Bild 2).
Das Modell hat einen zentralen Motor, mit dem die Mulde auf drei Seiten gekippt werden kann und der auch Fahren ermöglicht (2 Vorwärts-, 1 Rückwärts-Gang). Des Weiteren verfügt es über eine Lenkung und eine Kupplung. Für eine bessere Zugänglichkeit bei der Wartung sind Mulde und Kabine abnehmbar.
Um das Modell mit STOKYS zu bauen, musste in einem ersten Schritt das Meccano-Modell gebaut werden (Bild 3). Die hierbei gelernten Konzepte und Funktionen bildeten die Grundlage dafür, dies mit STOKYS nachzubauen (Bild 1). Beim Bau mit STOKYS folgte ich dem Vorgehen des MPPlans. Obwohl STOKYS und Meccano kompatibel sind, weisen sie unterschiedliche Teile auf. Zum Beispiel:
- Das Chassis besteht bei Meccano aus „Flat Girders“ und
bei STOKYS aus „U-Schienen 1-2-1“ - Bei STOKYS handelt es sich beim Differentialgetriebe um
ein einzelnes Bauteil - Bei STOKYS werden Profile und Winkel typischerweise
mit Knotenblechen verbunden - und noch vieles mehr …
Das Modell stellt eine Neukonstruktion dar, bei der das Konzept schrittweise übertragen wurde. Das Modell kann nicht mit den Teilen aus dem aktuellen Sortiment von STOKYS gebaut werden. Einige Teile müssen selbst hergestellt werden:
- Profile, Lochbänder, Achsen, usw. in Längen die nicht
verfügbar sind - Gleichschenkliger (3-Loch) Dreieck Flansch
- Seitenflansch mit Langloch
- Zahnrad z=19, ohne Nabe (Ø14×6)
Bei den Anpassungen sind es einfache Operationen wie sägen, bohren, feilen. Um die Kabine farbig zu gestalten, habe ich Abdeckplatten mittels 3D-Drucker produziert. Weil sie die Dimension von Lochplatten aufweisen, ist es möglich die Kabine auch aus STOKYS-Teilen zu montieren.
Ausserdem sind verschiedene Normteile verbaut, die leicht zu beschaffen sind. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Schrauben unterschiedlicher Länge sowie verschiedene Federn.
Die Lenkung (Bild 5) erfolgt über einen Schnurzug. Eine Klauenkupplung wird verwendet, um den kleinen Winkel zwischen Lenkrad und Spule auszugleichen.
Die Übersetzungen des Fahrgetriebes müssen neu festgelegt werden. Dabei ist das „Loch-Zähnezahl-Übersetzungsverhältnis-Diagramm“ (Bild 6) eine wertvolle Hilfe.
Ein breites Zahnrad ist notwendig, damit die Zahnräder ausreichend verschoben werden können. Leider bietet STOKYS kein breites Zahnrad mit 38 Zähnen, was dazu führt, dass der Rückwärtsgang sehr langsam ist (dreimal langsamer als der 1. Gang Vorwärts).
Auswahl:
Gang 1: 19z – 57z → 1 : 3
Gang 2: 38z – 38z → 1 : 1
Die einzelnen Gänge des Modells sind in den Bildern 7a – 7d zu sehen.
Das Kippergetriebe enthält eine Bremse, die ein Senken der Mulde verhindert. Dies wird über einen Freilauf auf der oberen Achse erreicht (Bild 8). Das Prinzip ist simpel: In der einen Richtung wird der Arm der Torsionsfeder an die Welle gedrückt und sperrt, und das Rad wird angetrieben. In der entgegengesetzten Richtung öffnet sich die Feder und die Welle dreht durch.
Den Freilauf habe ich analog der Meccano-Vorlage mit einer „Nabenkupplung mit Schlitz“ realisiert. Da die Nabendurchmesser von STOKYS und Meccano unterschiedlich sind, musste ich eine Nabenkupplung herstellen. Wie Bild 9 zeigt, ist es aber auch einfacher möglich.
Um die Mulde heben und senken zu können, muss die Winde unterschiedliche Drehrichtungen haben. Da der Motor immer in dieselbe Richtung dreht, wird dies mit einer Kronenrad-Schaltung gelöst. Sie befindet sich unten in der Mitte von Bild 10. Oben auf dem Bild ist das Schaltgestänge mit der Schnecke für die Gang-Positionierung zu sehen. Der verbaute China-Motor ist ein „JGA25-370“ und kompatibel zum STOKYS M032.
An der Mulde ist ein Kniearm, der über einen Seilzug vom Kippergetriebe bewegt wird (Bild 11). Beim Heben übt der Flansch wie ein hydraulischer Zylinder Druck auf den Arm aus, sodass sich dieser voneinander bewegt. Der Arm wird beim Senken der Mulde durch das Gewicht der Mulde wieder zusammengedrückt, dabei wird dies durch Winde und Seilzug gebremst.
Um den Arm in alle drei Kipp-Richtungen arbeitet zu lassen, ist er drehbar gelagert (Bilder 11 und 12).
Der Kipp-Rahmen liegt frei auf dem Chassis, damit die Mulde in drei Richtungen gekippt werden kann. Er wird in der Drehachse blockiert, indem Bolzen geschaltet werden, die je nach Kipprichtung variieren. Ein Gestänge bewegt die Bolzen (Bild 12).
Bild 13 zeigt vorne und hinten die Bolzen für die seitlichen Kippbewegungen (rot eingekreist). Die Lagerung des Rahmens wird durch grüne Rechtecke angedeutet. Wird der Rahmen nicht blockiert, kippt er in der Richtung des geringsten Widerstandes und das ist nach hinten.
Die Mulde (Bild 14) stellt eine eigene Baugruppe dar und wird auf den Kipper-Rahmen gesteckt.
Auch das Führerhaus (Bild 15) stellt ebenfalls eine separate Baugruppe dar, die auf das Fahrzeug aufgesteckt wird. Es ist aus 3D-gedruckten Platten montiert, um etwas Farbe ins Modell zu bringen. Die Platten haben Standardgrössen von STOKYS.
Mein Chassis beinhaltet zusätzlich zum Meccano-Modell einen Tank so wie eine Werkzeugkiste.
Beim Bauen des Modells habe ich eine 96-seitige Schritt-für-Schritt Anleitung erstellt. Alle Unterlagen sind in einem Beitrag auf STOKYSPlus veröffentlicht. Weil der Beitrag nicht frei zugänglich ist, ist er auch auf GitHub verfügbar (Link 1).
Vom Modell gibt es auch ein Video auf Youtube (Link 2).